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Nachruf Prof. Dr. rer. pol. Claus O. Köhler

Prof. Dr. rer. pol. Claus O. Köhler ist tot.


Prof. Dr. Claus O. Köhler ist am 27.08.2008 im Alter von 73 Jahren nach einem erfüllten Leben sowie langer und würdevoll ertragener Krankheit verstorben. Claus Köhler war an der Etablierung und aktiven Gestaltung der Medizinischen Informatik in Deutschland und international maßgeblich beteiligt und hat die GMDS, den BVMI und den DVMD lange Jahre und in vielerlei Ämtern und Funktionen aktiv unterstützt.

Claus Köhler wurde am 10. März 1935 in Berlin geboren, hat dort Volkswirtschaftslehre studiert, dann 5 Jahre bei der BASF gearbeitet und ist 1965 zum Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg gewechselt, wo er die Zentrale Datenverarbeitung aufgebaut hat. Seine Doktorarbeit im Jahre 1972 über Krankenhausinformationssysteme war die erste wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema in Deutschland und hat nicht nur in ihrer Systematik, sondern auch in praktischen Anwendungen über Jahrzehnte gewirkt. Dieses Thema hat er konsequent weiterverfolgt und 1977 die Entwicklung des vielfach genutzten Systems KRAZTUR initiiert und in den weiteren Jahren vorangebracht. 1982 hat er sich mit diesem Thema auch habilitiert. 1984 bot ihm die Arizona State University in Phoenix einen sechsmonatigen Gastwissenschaftler-Aufenthalt für Vorlesungen auf diesem Gebiet an. Ab 1985 war Claus Köhler bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1995 Leiter der Abteilung Medizinische und biologische Informatik am DKFZ.

Die Liste seiner über 200 Publikationen beeindruckt nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in der Breite und Tiefe der behandelten Themen. Diese spannen sich beispielsweise von den Problemen der klinischen Dokumentation, über Krankenhausinformationssysteme und Nutzen-Kosten-Analysen in der Krebsvorsorge bis hin zum „Shared Care“ und den Chancen und Risiken des Einsatzes von Smart Cards für die zukünftige Patientenversorgung. Dies ist gerade in Anbetracht der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ein immer noch brandaktuelles Thema.

1955 hat sich die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) als wissenschaftliche Fachgesellschaft konstituiert und Claus Köhler war seit 1965 Mitglied der GMDS. Claus Köhler war langjähriger Vorsitzender verschiedener Arbeitsgruppen und Mitausrichter mehrerer großer – z.T. internationaler – Tagungen, z.B. hat er 1983 maßgeblich die GMDS-Jahrestagung in Heidelberg mit organisiert. Seit 1978 gibt es das gemeinsam von der GMDS und der Gesellschaft für Informatik (GI) verliehene Zertifikat „Medizinische Informatik“. Das Zertifikat bescheinigt dem Inhaber die Qualifikation, eine leitende Stellung auf dem Gebiet der Medizinischen Informatik zu übernehmen. Es bestätigt eine qualifizierte Weiterbildung auf dem Gebiet der Medizinischen Informatik. Claus Köhler war Gründungs- und langjähriges Mitglied des Anerkennungsausschusses für das Zertifikat „Medizinische Informatik“. Ein wichtiger Aspekt war für Claus Köhler die Aus- und Weiterbildung. So war er viele Jahre Mitglied des Vorstandes der Weiterbildungsakademie für Medizinische Informatik („AkadeMIe“), die in Heidelberg eine Vielzahl von Aus- und Weiterbildungs-Kursen angeboten hat. Schon frühzeitig hat sich Claus Köhler mit den Nutzungsmöglichkeiten von Chipkarten im Gesundheitswesen beschäftigt. Ein erstes Projekt war die Realisierung der OnkoCard, bei der Nachsorgedaten von Tumorpatienten auf einer Chipkarte gespeichert wurden. Dies waren grundlegende Arbeiten für die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte. Schon immer stand für Claus Köhler der Patient im Mittelpunkt und da jeglicher Einsatz von Verfahren der Medizinischen Informatik letztendlich dem Patienten nutzen sollte, hat er sich zunehmend um die Belange der Patienten gekümmert. So hat er sich verstärkt mit dem Thema der Patienteninformierung beschäftigt. Er war ob seiner Verdienste um die Fachgesellschaft seit dem 28.09.2004 Ehrenmitglied der GMDS.

In dem Studiengang Medizinische Informatik, der seit 1972 von der Universität Heidelberg mit der Hochschule Heilbronn durchgeführt wird, hat sich Claus Köhler von Beginn an und oft über seine Kräfte hinaus engagiert und maßgeblich zum Erfolg dieses Studiengangs beigetragen. Neben Vorlesungen vor allem über Krankenhausinformationssysteme hat Claus Köhler über 150 Diplomarbeiten und Dissertationen betreut.

Claus Köhler hat schon frühzeitig erkannt, dass es ohne Medizinische Dokumentation keine Medizinische Informatik geben kann. So hat er sich ab 1972 jahrzehntelang uneigennützig für den DVMD stark gemacht und somit dazu beigetragen, dem Verband zu Ansehen und Popularität zu verhelfen. Er war bei der Gründung der Verbandszeitschrift aktiv dabei und hat über 20 Jahre ehrenamtlich in der Redaktion dieser Zeitschrift mitgearbeitet. Seit 1992 war er Ehrenmitglied des DVMD.

1983 wurde in den Räumen der von Claus Köhler geleiteten Abteilung Zentralen Datenverarbeitung im DKFZ der BVMI gegründet. Prof. Reichertz aus Hannover war der Gründungspräsident, Claus Köhler war 4 Jahre Gründungsvizepräsident. Ab 1988 übernahm er für 4 Jahre die Präsidentschaft. In seine Amtszeit als Präsident fiel u.a. die Deutsche Wiedervereinigung. Hier hat Claus Köhler mit viel persönlichem Einsatz dazu beigetragen, dass die Landesvertretungen Sachsen-Anhalt, Berlin-Brandenburg und Sachsen gegründet wurden. Durch seine Art der Führung wurde innerhalb kurzer Zeit eine echte Vereinigung Medizinischer Informatiker von West und Ost erreicht. Er hat der Weiterbildungsmöglichkeit für Mitglieder durch die Organisation von regionalen und nationalen Veranstaltungen, Tagungen und Workshops zu jeweils aktuellen Themen unterstützt, die von den Mitgliedern gern genutzt wurden. Zudem hat er aktiv bei der Herausgabe der Vereinszeitschrift mitgearbeitet. Seine über 20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit wurde 1995 durch die Ernennung zum „Ehrenpräsidenten“ gewürdigt. Bis zu seinem Tode war er, wann immer möglich, als solcher ein engagierter Teilnehmer der Vorstandssitzungen und Berater des Vorstandes.

Neben diesen überaus umfänglichen beruflichen Aufgaben hatte sich Claus Köhler bei vielfältigen anderen Aufgaben in seinem beruflichen Umfeld, aber auch in ganz anderen Bereichen ehrenamtlich engagiert.

Nicht nur wir, sondern auch viele Kollegen, Bekannte und Freunde, waren von den vielfältigen Interessen und dem großen Engagement, das Claus Köhler auf zahlreichen Gebieten zeigte, fasziniert. Dieses Engagement wurde nicht geringer, sondern hat sich vielleicht sogar noch verstärkt, als sich sein gesundheitlicher Zustand im Laufe der Jahre verschlechtert hat und er schließlich akzeptieren musste, im Rollstuhl zu leben.

Mit seinem enormen Engagement und der dazu notwendigen persönlichen Einstellung wurde Claus Köhler von uns allen immer als Vorbild betrachtet. Am 19.01.2007 wurde ihm ob seiner Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.


Wir sind Claus Köhler zu großem Dank verpflichtet und werden seiner immer in Ehren gedenken.


Heidelberg, Braunschweig, München, Mannheim
im September 2008

Dr. Carl Dujat (Präsident des BVMI)
Prof. Dr. Reinhold Haux (Präsident der IMIA)
Prof. Dr. Klaus Kuhn (Präsident der GMDS)
Katharina Thorn (Vorsitzende des DVMD)